So lange dauert die Bearbeitungszeit im Inkasso wirklich

Inkasso ist keine Magie, sondern eine Dienstleistung, die strengen Regularien und gesetzlichen Fristen unterliegt. Damit ergeben sich ganz automatisch Bearbeitungszeiten im Inkasso, die dem Schuldner die Möglichkeit geben, seinerseits zu reagieren. Genauso wenig kann es eine Garantie geben, dass offene Forderungen sich im Inkasso auf jeden Fall realisieren lassen. Warum das so ist, welche Bearbeitungszeiten im Inkasso realistisch sind und wo Inkasso an seine Grenzen stößt, zeigen wir in diesem Blogbeitrag

Uhr und Geld auf Waage - Bearbeitungszeit im Inkasso

Der Anspruch, praktisch immer erfolgreich zu sein, wo betriebliche oder private Mahnungen nicht funktionierten, kann im seriösen Forderungsmanagement kein Maßstab sein. Vielmehr ist Inkasso oft ein langwieriges Prozedere, das alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten bestmöglich für die Interessen von Gläubigern bespielt.

Fristen & Verzögerungen im Inkasso

Direkt nach der Fallübergabe geht im Inkasso die erste Mahnung an den Schuldner. Je nachdem, wann und wie ein Fall übergeben wird, können für die Einspeisung des Falls in die Software einige Stunden bis mehrere Tage vergehen. Sobald die Sache digital vorliegt, geht eine schriftliche Mahnung an den Schuldner. Darin wird er zur Zahlung aufgefordert, die Hauptforderung und die gesetzlichen Inkassogebühren sind transparent aufgeschlüsselt. Im Idealfall erfolgt die Zahlung dann sofort auf die erste Mahnung, die Forderung kann ausbezahlt werden und die Sache ist damit abgeschlossen. Zahlt der Schuldner nicht, ergeht nach 14 Tagen eine zweite Inkassomahnung.

In der Praxis funktioniert die Realisierungsarbeit aber oft nicht so reibungslos, wie der theoretische Ablauf das vorsieht. Störfaktoren können sein:

  • ein Umzug des Schuldners, der eine vorgelagerte Adressrecherche erforderlich macht, bevor es weiter gehen kann
  • eine schlechte Bonitätsauskunft, wonach Schuldner eine Vermögensauskunft abgegeben haben oder sich in Insolvenz befinden
  • schwierig zu entwirrende Familienstrukturen, wenn bspw. Vater und Sohn denselben Namen tragen

Dann ist es die Aufgabe von Inkassodienstleistern zunächst für klare Verhältnisse zu sorgen: eine ordentliche Zustelladresse, genaue Auskunft über die schuldnerische Vermögenssituation und im Zweifel auch die Klärung der genauen Identität des Schuldners. Und das alles kostet Zeit. Damit können aus den theoretischen 14 Tagen zwischen zwei Mahnschreiben schnell einige Monate werden, bis ein wirklich zielführendes Mahnverfahren auf einer soliden Basis angestoßen werden kann.

Daher gilt grundsätzlich: Je besser die Datenbasis, die Gläubiger an ein Inkasso Büro übergeben, desto aussichtsreicher ist die Sache.

Gesetzliche Fristen im gerichtlichen Mahnverfahren

Dem vorgerichtlichen Inkasso schließt sich in der Regel ein gerichtliches Mahnverfahren mit Mahn- und Vollstreckungsbescheid an. Zwischen den beiden Stufen ist hier vom Gesetzgeber eine Widerspruchsfrist von jeweils 14 Tagen vorgesehen, in der sich die Gegenseite zur Forderungssache äußern kann. Der unwidersprochene Vollstreckungsbescheid wiederum gilt dann als vollwertiger Titel und ist einem Urteil oder einem gerichtlichen Vergleich ebenbürtig. Er sichert die Forderung für mindestens 30 Jahre und ist bares Geld wert. Jedoch ist auch er noch keine wirkliche Auszahlung des offenen Postens.

Um aus dem Titel Geld zu machen, braucht es die Zwangsvollstreckung, mittels der sich auf schuldnerisches Vermögen zugreifen lässt, wenn der Schuldner über entsprechendes Vermögen verfügt. Das bedeutet auch, dass es mehrere Jahre und mehrere Pfändungsversuche brauchen kann, bis die Realisierung endlich funktioniert. Es lohnt aber immer am Ball zu bleiben und offene Forderungen nicht verloren zu geben.

Grenzen der Machbarkeit

Tatsache ist aber auch, dass es Fälle gibt, in denen Inkasso, das gerichtliche Mahnverfahren und die Zwangsvollstreckung an ihre Grenzen stoßen. Wo Schuldner – jedenfalls offiziell – vermögenslos sind, sich in Insolvenz befinden, versterben, ohne die Schulden bezahlt zu haben oder sich absetzen, sind die Aussichten tatsächlich keine Guten. Und auch, wenn solche Fälle einen kleinen statistischen Prozentsatz ausmachen, sind sie für Gläubiger deshalb nicht weniger ärgerlich.

Nichtsdestotrotz ist es immer die bessere Wahl, offene Forderungen in eine professionelle Bearbeitung zu geben und sich die Chance auf eine erfolgreiche Realisierungsarbeit zu sichern, statt von vorn herein auszubuchen und den Kopf in den Sand zu stecken. Wie sich ein Inkassofall letztendlich entwickelt, lässt sich nämlich von niemandem im Vorhinein sagen.

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